Verbeamtung

Verbeamtung oder Angestellter?

Im öffentlichen Dienst sind in Deutschland etwas mehr als 4,6 Millionen Menschen beschäftigt. Längst nicht alle Staatsdiener sind Beamte – nur knapp über 1,88 Millionen Deutsche haben sich diesen Sonderstatus erarbeitet. Im öffentlichen Dienst kommt es somit durchschnittlich nur in 40 Prozent der Fälle zu einer Verbeamtung. Deutlich öfter, in über 2,7 Millionen Fällen, sind also Arbeitnehmer im Auftrag des Staats tätig.

Nach einer Verbeamtung entsteht ein besonderes Verhältnis zwischen Dienstherr und Beamtem. Einerseits gibt es eine spezielle Treuebindung, durch die der Beamte zu Neutralität verpflichtet ist und ihm außerdem Streiks untersagt sind. Auf der anderen Seite hat der Dienstherr eine besondere Fürsorgepflicht, die neben der Beihilfe in der privaten Krankenversicherung auch die Zahlung eines Ruhegehalts anstatt einer Rente beinhaltet. Somit müssen Beamte nicht in die Gesetzliche Rentenversicherung einzahlen und können auch aufgrund der günstigeren privaten Krankenversicherung mehr netto vom Brutto-Sold behalten.

Angestellte dürfen hingegen ihre Arbeit niederlegen, wenn sie mit den Bedingungen unzufrieden sind. Sie erhalten nicht wie nach einer Verbeamtung einen durch den Dienstherrn festgelegten Lohn. Stattdessen wird das Gehalt durch Arbeitnehmer und Arbeitgeber gleichermaßen in Tarifverhandlungen erabeitet. Am Ende des Monats gibt es trotz gleicher Leistung oftmals weniger Gehalt als für Beamte. Darüber hinaus treten im Ruhestand ebenfalls eklatante Unterschiede zu Tage: Während ein Beamter, der als Pädagoge gearbeitet hat, im Alter rund 70 Prozent seiner früheren Bezüge erhält, kommt ein ehemals angestellter Lehrer gerade einmal auf 42 Prozent.

Gewissermaßen gibt es also ein zwei Klassen-Symsten im öffentlichen Dienst. Wer die Wahl hat, strebt aufgrund der besonderen Rechte und der besseren Verdienstmöglichkeiten fast immer eine Verbeamtung an. Doch wo sind die Chancen auf eine Beamtenlaufbahn überhaupt gut? Beamte.org erklärt, in welchen Berufen und Bundesländern eine Verbeamtung wahrscheinlich ist.

Verbeamtung von Lehrern und Co.: Typische Beamtenberufe

Unser Grundgesetz definiert in Artikel 33 Abs. 4 GG den sogenannten Funktionsvorbehalt: Demnach sollen möglichst alle „hoheitsrechtlichen Befugnisse“ von Beamten ausgeübt werden. Durch die hohe Loyalität und Kompetenz der Beamten soll die Verwaltung aufrechterhalten werden und die wichtigsten Absicherungen für Bürger garantiert werden. Bei staatstragenden Instititutionen, wie etwa der Polizei, der Justiz, der Feuerwehr oder dem Finanzamt stehen die Chancen auf eine Verbeamtung daher deutlich besser. Auch im Bildungswesen, Forschungs- und Kulturbereich gibt es vergleichsweise viele Beamte. Somit sind viele Beamte im gehobenen oder höheren Dienst tätig. Im „einfachen Dienst“ sind hingegen immer mehr Angestellte tätig, zum Beispiel als Lokführer. Dort werden immer mehr Aufgaben durch technische Abläufe ersetzt, so dass insgesamt die Anzahl der im „einfachen“ öffentlichen Dienst beschäftigen Personen sinkt.

Mit einem Anteil von teilweise deutlich über 45 Prozent ist eine Verbeamtung in diesen Bereichen laut Statistischem Bundesamt deutlich wahrscheinlicher als im Durchschnitt:

  • In der Landesverteidigung, zum Beispiel als Offizier
  • Zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit (etwa Bundespolizei und Polizei)
  • Im Rechtsschutz, beispielsweise als Staatsanwalt oder Justizvollzugsbeamter
  • In der Finanzverwaltung, etwa als Diplom-Finanzwirt
  • In allgemeinbildenden Schulen und Berufsschulen, wo eine Verbeamtung von Lehrern üblich ist

Auf eine durchschnittliche Verbeamtungs-Quote zwischen 33 und 45 Prozent kommen diese Berufsfelder:

  • Energie- und Wasserwirtschaft
  • Politische Führung und zentrale Verwaltung
  • In auswärtigen Angelegenheiten

Deutlich unterrepräsentiert sind Beamte unter anderem in diesen Tätigkeitsfeldern:

  • Verkehrs- und Nachrichtenwesen, zum Beispiel Postboten oder Busfahrer
  • In Hochschulen, wo neben verbeamteten Professoren viele Angestellte lehren
  • In Krankenhäusern und Heilstätten ist der Anteil an Beamten verschwindend gering
  • Soziale Sicherung, zum Beispiel die Mitarbeiter einer Krankenkasse

Unterschiedliche Verbeamtung von Lehrern

Besonders deutlich wird die ungleiche Behandlung im öffentlichen Dienst bei den Lehrern. Hier fallen die Regelungen je nach Bundesland unterschiedlich aus. In Berlin war eine Verbeamtung von Lehrern früher üblich, heute werden jüngere Kollegen nur noch als Angestellte in den Schuldienst aufgenommen. In Mecklenburg-Vorpommern ist es genau andersherum: Dort gab es bis vor kurzem keine verbeamteten Lehrer, so dass fast 100 Prozent angestellt sind. In beiden Fällen kann es zu Frust über die eigene Situation kommen, wenn ein Kollege für die gleiche Leistung einen höheren Lohn bekommt.

In Sachsen ist ebenfalls nur eine kleine Minderheit von rund fünf Prozent verbeamtet, während Baden-Württemberg mit 92 Prozent die meisten Lehrer verbeamtet. Viele angehende Lehrer suchen ihren Wohnsitz sogar nach dem Status aus, den sie erreichen können: Die Süddeutsche berichtet etwa, dass ein Techniklehrer am Berufskolleg in Nordrhein-Westfalen nicht verbeamtet wird – verlegt er seinen Wohnsatz nach Rheinland-Pfalz, kann er sich sehr wohl auf eine Beamtenlaufbahn freuen.

Deutschlandweit ist eine Verbeamtung von Lehrern im Allgemeinen üblich. So arbeiteten laut Statistischem Bundesamt am Ende der ersten Jahreshälfte 2013 rund 780.000 Deutsche im Klassenzimmer einer allgemeinbildenden oder beruflichen Schule. 76 Prozent der Lehrkräfte waren als Beamte tätig, nur 188.000 Menschen (24 Prozent) waren angestellt. Vor allem an Gymnasien gibt es viele Beamte (79 Prozent), während an Sonder- und Förderschulen nur in zwei von drei Fällen eine Verbeamtung durchgeführt wird.

Verbeamtung nach Bundesländern

Nicht nur bei Lehrern gibt es zwischen den Bundesländern große Unterschiede bei der Verbeamtung. In Bremen und Hamburg sind die Chancen am höchsten. Dort ist fast jeder Zweite im öffentlichen Dienst Beamter. In Sachsen ist eine Verbeamtung im Vergleich zum Norden drei Mal seltener. Auf vier Angestellte kommt nur ein Beamter.

In welchen Regionen eine Beamtenlaufbahn besonders wahrscheinlich ist, haben wir mit Hilfe der Daten des Statistischen Bundesamts in dieser Tabelle aufgeführt:

Platz Bundesland Verbeamtungs-

Quote

1. Bremen 47,05 %
2. Hamburg 47,01 %
3. Schleswig-Holstein 46,76 %
4. Rheinland-Pfalz 45,61 %
5. Niedersachsen 45,30 %
6. Nordrhein-Westfalen 43,37 %
7. Bayern 42,89 %
8. Baden-Württemberg 42,63 %
9. Hessen 42,23 %
10. Saarland 39,84 %
11. Berlin 37,62 %
12. Brandenburg 35,53 %
13. Thüringen 34,40 %
14. Mecklenburg-Vorpommern 30,90 %
15. Sachsen-Anhalt 24,96 %
16. Sachsen 19,87 %

In der Statistik zeigt sich ein Gefälle zwischen der ehemaligen BRD und der früheren DDR, wo die Beamten-Quote deutlich niedriger ist. In fast allen alten Bundesländern ist eine Verbeamtung häufiger als im Bundesdurchschnitt (über 40 Prozent). Einzig im Saarland liegt die Quote an Angestellten über dem Bundesschnitt. Die nord-westlich gelegenen Bundesländer Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein führen das Feld an. Zählt man Berlin mit zu den östlichen Bundesländern, belegen diese die letzten sechs Plätze.