Rente

Rente für Beamte: Ruhegehalt reicht bis zu 72 Prozent des früheren Solds

Mit der Rente für Beamte belohnt der Staat im Alter die langjährige Treue und geleisteten Dienste seiner Bediensteten. Für Beamte existiert ein eigenständiges Versorgungssystem, welches im Beamtenversorgungsgesetz manifestiert ist. Staatsdiener sind keine Mitglieder in der gesetzlichen Rentenversicherung. Und nicht nur das: Beamte, Richter und Soldaten müssen auch keinen Eigenbeitrag leisten, um im Ruhestand abgesichert zu sein. Die Versorgung für den Dienstherren ist für sie beitragsfrei. Die Rente für Beamte beinhaltet außerdem auch eine „betriebliche“ Altersvorsorge.

Darüber hinaus unterscheidet sie sich auch in einem weiteren Punkt von der gesetzlichen Rente: Sie sichert auch bei einer vorzeitigen Dienstunfähigkeit des Beamten zumindest teilweise ab. Arbeitnehmer und Selbstständige sind diesem Risiko vollends ausgesetzt und können sich nur privat über eine Berufsunfähigkeitsversicherung schützen. Zu guter Letzt beinhaltet die Versorgung durch den Dienstherren auch eine Unterstützung für die Hinterbliebenen im Todesfall.

Voraussetzungen der Rente für Beamte

Die Rente für Beamte ist nicht selten auch der Auslöser für einen neidischen Kommentar von Angestellten und Selbstständigen. Doch gleichzeitig schätzen Bürger auch Institutionen wie die Polizei, die Justiz oder Feuerwehr. Wer solche für die Allgemeinheit wertvollen Aufgaben erfüllt, hat sich damit nach Art. 33 des Grundgesetzes die spezielle Rente für Beamte verdient.

Ihr Ruhegehalt können Staatsdiener in folgenden Fällen beanspruchen:

  • wenn sie die Altersgrenze von aktuell 65 Jahren erreicht haben
  • wenn sie eine besondere Altergrenze passiert haben: In bestimmten Berufen wie Polizei, Justiz und Feuerwehr ist es üblich, im Alter von 60 bis 62 Jahren in den Ruhestand zu gehen
  • auf eigenen Wunsch vorzeitig zum 63. Lebensjahr bzw. als schwerbehinderte Person ab dem 60. Lebensjahr
  • wenn eine Dienstunfähigkeit diagnostiziert wurde

Rente für Beamte steigt

Wie hoch die Rente für Beamte beziehungsweise das Ruhegehalt ausfällt, berechnet sich in erster Linie nach der geleisteteten Dienstzeit und der Besoldung. Als geleistete Dienstzeit wird neben der Tätigkeit als Beamter auch die Ausbildung als Beamtenanwärter, Wehrdienst und ein Job als Angestellter im öffentlichen Dienst akzeptiert. Ehrenamtliche Aktivitäten fließen ebenso wenig ein wie unbezahlte Urlaubsphasen. Auf das Ruhegehalt wirken sich nur Dienstbezüge aus, die sich aus der Grundbesoldung oder einem Familienzuschlag ergeben. Sonderzahlungen haben in der Regel keinen Einfluss. Ausschlaggebend ist immer das zuletzt gezahlt Bruttogehalt, außer wenn der Sold in den letzten zwei Jahren angehoben wurde.

Die Rente für Beamte lässt sich nach einem vereinfachten Modell berechnen:

Brutto-Gehalt x Dienstjahre x Faktor 1,79375 = Ruhegehalt

Dadurch ergibt sich folgende Tabelle für das Ruhegehalt:

Anzahl Dienstjahre

Anteil des Ruhegehalts

0 – 5 0%
6 – 19 bis zu 35%
20 ab 35,88%
30 ab 53,81%
40 ab 71,75%

Um überhaupt eine Rente für Beamte zu kassieren, müssen Staatsdiener eine fünfjährige Wartezeit überstehen. Während der ersten 60 Monate zahlt der Dienstherr bei einem vorzeitigen Ausscheiden des Beamten nur für dessen Versorgung, wenn die Beeinträchtigung aus dem Arbeitsverhältnis beruht oder durch einen Dienstunfall verursacht wurde. Bei Dienstunfällen erhöht sich die Pension generell um 20 Prozent, darf aber den Höchstsatz nicht übersteigen. Dieser liegt nach Angaben des Deutschen Beamten-Bundes je nach Dienstherr in Bund, Land oder Kommune zwischen 72,2 und 72,6 Prozent. Wer planmäßig nach 40 Jahren in den Ruhestand geht, erhält also fast drei Viertel seines früheren Lohns. Nach der erfüllten Wartezeit von fünf Jahren umfasst die Versorgung für Beamte mindestens eine Rente von 35 Prozent.

Die Hinterbliebenenversorgung wird durch das Versogungsänderungsgesetz 2001 geregelt. Seit 2002 erhalten betroffene Angehörige im Todesfall eines Beamten anstatt wie früher üblich statt 60 nun 55 Prozent des Ruhegehalts. Der Todestag ist in diesem Szenario der Tag, an dem der Ruhestand angetreten worden wäre.

Rente für Beamte bei Dienstunfähigkeit

Insbesondere in der ersten Hälfte der Beamtenlaufbahn kann es sich lohnen, zusätzlich zum Schutz durch den Dienstherren auch eine private Dienstunfähigkeitsversicherung abzuschließen. Durchschnittlich muss jeder vierte Deutsche vorzeitig seinen Beruf aufgeben, Staatsdiener machen hier keine große Ausnahme.

Wichtig: Die Dienstunfähigkeitsversicherung sollte die Begriffe Dienst- und Berufsunfähigkeit gleichsetzen. Ansonsten kann es im Leistungsfall zu Konflikten mit dem Versicherer kommen.

Für eine ordentliche Absicherung reicht es üblicherweise nach den ersten fünf Jahren aus, rund 35 Prozent des Brutto-Lohns abzusichern, so dass die aktuellen Ansprüche privat so aufgestockt werden, dass sie mit einem planmäßigen Ruhegehalt vergleichbar sind. Im Laufe der Zeit kann die vereinbarte Rente sinken, wenn die Ansprüche aus der Rente für Beamte größer werden. Da aber auch das Risiko größer wird, kann der Betrag auch konstant bleiben.

Rente für Beamte vor Kürzung?

Die demografische Entwicklung macht auch vor dem Beamtentum nicht halt. Laut Statistischem Bundesamt lag der Anteil der unter 35-jährigen Bundesbeamten zur Jahrtausendwende noch bei rund 30 Prozent. Im Jahr 2011 war nur noch jeder Fünfte nicht älter als 34 Jahre. Mehr als sechs von zehn Beamte des Bundes sind heutzutage zwischen 35 und 54 Jahren alt. 19,2 Prozent sind älter als 55 Jahre.

In den nächsten zwanzig Jahren geht jeder zweite heutige Beamte in Rente – somit wird die Staatskasse immer stärker gefordert. Schon jetzt gibt es mehr als doppelt so viele Pensionäre wie noch vor vier Jahrzenten. Im Jahr 1993 mussten Bund und Länder 17,8 Milliarden Euro für die Ruhegälter aufwenden. Neunzehn Jahre später (2012) waren die Ausgaben mit 33,6 Milliarden Euro doppelt so hoch.

Dadurch könnte nicht nur die Allgemeinheit belastet werden, sondern auch die Beamten mit selbst. Bei der Beihilfe werden in vielen Bundesländern schon einige Leistungen gekürzt. Auch bei den gesetzlichen Renten gibt es immer wieder Einschnitte. So sollen die gesetzlichen Renten bis 2030 zwar absolut ansteigen, im Vergleich zum Lohn steht ehemaligen Arbeitnehmern aber weniger Geld zur Verfügung. Nicht auszuschließen, dass bei dieser allgemeinen Entwicklung in Zukunft auch die Rente für Beamte deutlich gesenkt werden könnte. Auch in der jüngeren Vergangenheit mussten Staatsdiener schon Kürzungen hinnehmen, als beispielsweise der Versorgungs-Höchstsatz nach und nach bis zum Jahr 2003 auf 71,75 Prozent reduziert wurde.

Rente für Beamte höher als für Angestellte

Wie Focus jedoch weiter berichtet, mussten Beamte zuletzt kaum etwas von ihren Privilegien einbußen. Im Gegenteil: Die Rente für Beamte ist im Jahr 2013 um durchschnittlich 170 Euro erhöht worden und stieg damit 22 Mal schneller als die gesetzlichen Renten. Maximal können ehemalige Staatsdiener im Ruhestand laut Deutschem Beamten-Bund effektiv bis zu 72,2 bis 72,6 Prozent ihres früheren Solds kassieren. In diesem Ruhegehalt ist auch quasi eine Betriebsrente enthalten. In der gesetzlichen Rentenversicherung ist das Rentenniveau bei 48 Prozent. Selbst wenn man eine Betriebsrente von 18 Prozent des Bruttogehalts aufschlägt, können ehemalige Arbeitnehmer mit einer tadellosen Erwerbsbiografie nur 66 Prozent ihres alten Gehalts erreichen – das sind 6 Prozentpunkte weniger als bei Pensionären des öffentlichen Dienstes.

Ehemalige Beamte sind laut Kölnischer Rundschau im Alter wesentlich besser betucht als frühere Arbeitnehmer oder Selbstständige. Das betrifft nicht nur die Rente für Beamte, die mit rund 2.850 Euro um ein Vielfaches höher ausfällt als die durchschnittliche gesetzliche Rente von 854 Euro. Auch das Netto-Vermögen der ehemaligen Beamten übersteigt mit fast 300.000 Euro die Ersparnisse von Selbstständigen (rund 260.000) und erst recht Angestellten, die weniger als 150.000 Euro besitzen.

Dass die Rente für Beamte oftmals höher ausfällt, hängt auch damit zusammen, dass es weniger Unterbrechungen im Lebenslauf gibt. Als Beamter auf Lebenszeit ist auf lange Sicht ein sicheres, geregeltes Einkommen sichergestellt. Normale Rentnern werden öfter mit Arbeitslosigkeit, Selbstständige mit Verdienstausfällen durch Krankheiten konfrontiert. Darüber hinaus weist der ehemalige Berliner Innensenator Eckart Werthebach gegenüber dem Deutschen Beamten-Bund darauf hin, dass Beamte über ein höheres Bildungsniveau als normale Arbeitnehmer verfügen und somit während ihres Erwerbslebens besser verdienen. Die logische Konsequenz sei eine höhere Rente für Beamte.

Rente für Beamte versteuern

Auf der anderen Seite dürfen aber auch die Ausgaben der ehemaligen Beamten im Alter nicht unterschlagen werden. So gibt es das Gerücht, dass die Rente für Beamte kaum oder wesentlich geringer versteuert werden muss als die gesetzliche Rente von Angestellten. Doch zumindest aktuell werden viele Pensionäre aus dem öffentlichen Dienst stärker belastet als Rentner. Die Rente für Beamte gilt als Verdienst einer nicht-selbstständigen Arbeit. Für ehemalige Beamte gibt es im Ruhestand eine Freigrenze, die laut Deutschem Beamten-Bund im Jahr 2010 nur 3.120 Euro ausmachte. Pro Monat sind das rund 260 Euro. Wer als Beamterüber 40 Jahre brutto 3.000 Euro pro Monat verdiente, muss demnach 2.750 Euro versteuern- das ergibt einen steuerpflichtigen Anteil von 88 Prozent des Brutto-Ruhegehalts. Bei einem höheren Gehalt von beispielsweise 6.000 Euro ist die Steuerlast noch größer.

Angestellte und Selbstständige sind zumindest aktuell stärker von Steuern befreit. Wer 2015 in Rente geht, muss 70 Prozent versteuern. Der Freibetrag wird durch die seit 2005 geltende nachgelagerte Versteuerung jedoch Schritt für Schritt erhöht. Jeder neue Rentenjahrgang bis 2020 muss jeweils zwei Prozentpunkte mehr versteuern – die Jahrgänge 2021 bis 2040 jeweils einen Prozentpunkt mehr. Ab 2040 müssen Arbeitnehmer und Selbstständige ihre Rente ebenso wie Beamte voll versteuern.

Hohes Ruhegehalt wichtig für Krankenversicherung

Neben den Steuern ist auch die private Krankenversicherung sowie die Pflege-Pflichtversicherung ein Kostenfaktor im Alter. Beide Beiträge müssen aus der Rente für Beamte beglichen werden.

Viele Staatsdiener haben sich privat kranken- und pflegeversichert. Hier bemessen sich die Prämien nicht nach dem Einkommen, sondern nach dem individuellen Risiko, den Tarifdetails und dem Alter des Versicherten. Dass das Einkommen sinkt, ist in der privaten Krankenversicherung ohne Bedeutung. Auch wenn über die Jahre Altersrückstellungen gebildet werden, nimmt die finanzielle Belastung im Ruhestand für Pensionäre deutlich zu. Da das Krankheitsrisiko im Alter deutlich steigt, steigen die Beiträge im Ruhestand an. Diese laufenden Kosten fressen zumindest einen Teil der Rente für Beamte auf.

Beamte erhalten durch die Beihilfe ihres Dienstherren aber im Gegensatz zu Selbstständigen und Arbeitnehmern eine Unterstützung. Während des Arbeitslebens sind 50 Prozent des Krankheitsrisikos durch die Beihilfe gedeckt, im Ruhestand sind es in der Regel sogar 70 Prozent. Pensionäre müssen demnach nur 30 Prozent ihres Krankheitsrisikos über eine private Krankenversicherung abdecken, welches im Alter aber natürlich deutlich größer ausfällt.

Laut Deutschem Beamten-Bund sind 49 von 50 Pensionären privat abgesichert. Durchschnittlich zahlt ein Beamter im Ruhestand als Alleinstehender 180 Euro und als Ehepartner 360 Euro Monatsbeitrag. Einer von fünfzig Pensionären leistet stattdessen freiwillige Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung und kann die Beihilfe hier kaum geltend machen. In beiden Fällen können sich Pensionäre einen Teil ihrer Ausgaben vom Fiskus zurückholen: Im Rahmen der Einkommenssteuererklärung kann die private und gesetzliche Krankenversicherung voll geltend gemacht werden, selbst wenn sie über dem maximalen Betrag für die sogenannten Vorsorgeaufwendungen liegt.