Private Krankenversicherung

Private Krankenversicherung für Beamte

Wenn Arbeitnehmer ein wenig neidisch auf Beamte schauen, ist oft deren Sonderrolle in der Kranken- und Rentenversicherung verantwortlich. Nicht nur im Ruhestand, auch während des Arbeitslebens steht Staatsdienern bei gleichem Einkommen mehr Geld zur Verfügung. Dank der privaten Krankenversicherung für Beamte ist die medizinische Versorgung nicht nur günstiger, sondern in der Regel auch deutlich besser als bei einem Angestellten. Beide Vorteile resultieren aus der Fürsorgepflicht des Dienstherren, der sich sowohl um die Versorgung im Alter sowie größtenteils auch im Krankheitsfall kümmert.

Neben Beamten steht die private Absicherung auch Selbstständigen und gutverdienenden Angestellten mit einem Einkommen über 54.900 Euro (Stand: 2015) offen. Dank der Beihilfe ist die private Krankenversicherung für Beamte wie Polizisten, Richter, Lehrer jedoch deutlich lukrativer. Mit rund 4,26 Millionen machen Beamte und deren Angehörige in der privaten Krankenversicherung fast die Hälfte der 8,9 Millionen Mitglieder aus.

Private Krankenversicherung für Beamte: Vorteile dank Beihilfe

Natürlich haben auch Beamte die Möglichkeit, sich gesetzlich abzusichern. Sie können freiwilliges Mitglied bei einer gesetzlichen Krankenkasse werden, können dann aber nicht von der Beihilfe profitieren. Diese Beihilfe folgt dem sogenannten Kostenerstattungsprinzip: Beamte müssen ihre Krankheitskosten in der privaten Krankenversicherung zunächst selbst tragen. Anschließend können sie bei ihrem Beihilfeträger, also dem Dienstherren, Rechnungen einreichen. Zu welchem Prozentsatz die medizinische Versorgung sichergestellt ist, ist je nach Bundes- oder Landesverordnung unterschiedlich geregelt. Grundsätzlich erhalten Beamte in der privaten Krankenversicherung aber folgenden Zuschuss von ihrem Dienstherren:

  • 50 Prozent für sich selbst
  • 70 Prozent für sich selbst als zweifacher Vater/Mutter sowie im Ruhestand
  • 70 Prozent für den Ehepartner/die Ehepartnerin
  • 80 Prozent für Kinder

De facto müssen Beamte in der privaten Krankenversicherung nur den restlichen Anteil, also höchstens 50 Prozent ihres Krankheitsrisikos absichern. Die Versicherer passen sich daran an, indem sie spezielle Beihilfe- beziehungsweise Beamtentarife anbieten.

In der gesetzlichen Krankenversicherung ist eine solche Erstattung von Rechnungen nicht möglich. Dort gibt es das Sachleistungsprinzip, nach dem Kunden die Leistungen direkt beanspruchen. Wer sich als Beamter die für die gesetzliche Krankenversicherung entscheidet, kann deshalb nur einen geringen Anteil der Beihilfe geltend machen und lässt damit eine große Unterstützung ungenützt. Nicht zuletzt deshalb entscheiden sich viele Staatsdiener für die private Krankenversicherung.

Private Krankenversicherung für Beamte mit Extraleistungen

In der privaten Krankenversicherung steht es jedem Beamten selbst offen, die Leistungen auszuhandeln. Je nach Anspruch und Geldbeutel können unterschiedliche Extraleistungen vereinbart werden, die weit über den Schutz der gesetzlichen Krankenversicherung hinausgehen. Die einmal vereinbarten Vertragsinhalte behalten solange ihre Gültigkeit, bis der Kontrakt aufgelöst wird – also im besten Fall ein Leben lang.

Gängige Sonderleistungen in der privaten Krankenversicherung für Beamte sind unter anderem:

  • bessere ambulante Leistungen für Psychotherapie, Heilpraktikerbehandlungen, Vorsorgemaßnahmen sowie physiotherapeutische Leistungen und Heilmittel
  • Extras bei der stationären Betreuung: freie Krankenhauswahl, Unterbringung im Einzelzimmer sowie auf Wunsch Behandlung durch den Chefarzt
  • Kostenerstattungen für Zahnersatz beim Zahnarzt, in manchen Tarifen auch inklusive der Behandlungen
  • Erhöhung der Pflegeleistungen, da die gesetzliche Absicherung im Alter nur einen Teilschutz bietet und nicht alle Kosten decken kann

Somit können sich Staatsdiener ein individuell passendes Paket zusammenstellen. Während der eine beispielsweise besonderen Wert auf Alternativmedizin legt, kann für einen anderen Beamten eine freie Krankenhauswahl von entscheidender Bedeutung sein.

Private Krankenversicherung für Beamte sinnvoll?

Mit zunehmendem Alter und bei Vorerkrankungen wird der Abschluss einer privaten Krankenversicherung für Beamte immer kostspieliger. Schließlich richten sich die monatlichen Beiträge nach dem individuellen Krankheitsrisiko und nicht wie in der gesetzlichen Krankenversicherung nach dem Einkommen. Stiftung Warentest rät beispielsweise, bis zum 35. Lebensjahr in die private Krankenversicherung einzutreten. Ein späterer Wechsel ist in vielen Fällen nicht sinnvoll.

Bei einem rechtzeitigen Abschluss hält Stiftung Warentest die private Krankenversicherung für Beamte fast immer für sinnvoll. Staatsdiener müssten deutlich weniger stark vorsorgen als Selbstständige und Arbeitnehmer, die mit deutlich höheren Beiträgen im Alter zu kämpfen haben. Auch im Hier und Jetzt ist die Absicherung deutlich günstiger: Im Finanztest 4/2014 war der Testsieger für Beamte mit unter 200 Euro Monatsbeitrag deutlich günstiger als bei Angestellten und Selbstständigen, die mindestens die doppelte Prämie begleichen müssen. So macht sich die Beihilfe für Beamte im wahrsten Sinne des Wortes bezahlt.

Trotz der Empfehlung durch die Verbraucherschützer sollten Beamte im Einzelfall die Vor- und Nachteile der privaten Krankenversicherung prüfen. Auch die weitere Lebensplanung kann eine Rolle spielen. In der privaten Krankenversicherung ist keine Familienversicherung vorgesehen, so dass Partner und Nachwuchs nicht kostenlos abgesichert werden können. Die Beihilfe mildert diesen Nachteil gegenüber der gesetzlichen Krankenversicherung aber deutlich ab. Durch das geregelte und sichere Einkommen sollten Beamte diese zusätzlichen Kosten auffangen können. Nicht außer Acht gelassen werden sollten auch die steigenden Kosten der privaten Krankenversicherung im Alter – zwar werden in der privaten Krankenversicherung Altersrückstellungen gebildet, dennoch sollten Staatsdiener zusätzlich privat vorsorgen. Wer im Alter vor finanzielle Probleme gestellt ist, kann zudem in einen neuwertigen Tarif beim gleichen Anbieter wechseln. Dieser ist häufig günstiger als eine jahrzentelaufende Police. Eine Alternative stellt der Basis-Tarif dar, welcher aber nur Leistungen auf dem Niveau der gesetzlichen Krankenversicherung bietet und relativ teuer ausfällt.

Tipp: Mögliche zukünftige Ausgaben sind auch deshalb wichtig, weil Beamte auf Lebenszeit nicht in die gesetzliche Krankenversicherung zurückwechseln können. Eine Rückkehr ist nur durch den Verlust des Beamtenstatus möglich. Deshalb sollte die Entscheidung sorgfältig durchdacht sein.

Private Krankenversicherung für Beamte im Test

Mehrere PKV Tests haben die beste private Krankenversicherung für Beamte ermittelt. Auch die Zeitschrift Focus-Money hat in ihrer Ausgabe 41/2015 die besten Beihilfe-Tarife vorgestellt. Dabei kooperierte das Wirtschaftsmagazin mit der Rating-Agentur Franke & Bornberg aus Hannover. Unter die Lupe kamen 19 Angebote für Beamte und deren Angehörigen sowie 17 weitere Tarife für Beamtenanwärter (Beamte auf Widerruf). Die Musterfälle waren auf einen 30-jährigen Beamten beziehungsweise einen 25-jährigen Anwärter ausgelegt. Die Experten bewerteten alle Unternehmen hinsichtlich ihrer Finanzstärke sowie der Beitragshöhe. Die Beihilfetarife wurden auch im Hinblick auf ihre Leistungen durchleuchtet, so dass sich hier auf das Preis-Leistungs-Verhältnis schließen lässt. Bei den Anwärtern sind hingegen vor allem günstige Unternehmen zu finden, die dank ihrer guten Solvalität zudem sehr wahrscheinlich durch konstante Prämien glänzen können.

Als Testsieger der privaten Krankenversicherung für Beamte und Angehörige setzte sich die Nürnberger durch. Der Behilfetarif kostet für die 30-jährige Person rund 215 Euro. Die leistungsschwächeren Einsteigertarife für Beamtenanwärter sind bereits ab 43,50 Euro zu haben – so viel kostete die Absicherung beim Testsieger Huk-Coburg.

Focus-Money: Beste private Krankenversicherung für Beamte

Platz Unternehmen Tarife

1.

Nürnberger BK30, BK21, BS230, BS221, BE

2.

Debeka

B30A, B20A, WL30A, WL20A, BCA

2.

Huk-Coburg

B501, BE2

Focus-Money:Beste private Krankenversicherung für Beamtenanwärter

Platz Unternehmen Tarife

1.

Huk-Coburg

BAR50, BE2A

2.

Pax

BAR50, BEZE

3.

Allianz

BHRA50, BHRK50, BHRZ50

3.

Debeka

B30A, B20A, WL30A, WL20A, BCA

Darüber hinaus profilierten sich in beiden Bereichen viele weitere private Krankenversicherer mit einer Note, die besser als 2,0 ausfiel. Im Großen und Ganzen fällt das Fazit von Focus-Money somit gut aus. Die private Krankenversicherung ist für Beamte oftmals eine gute Möglichkeit, sich hochwertig und zu einem fairen Preis abzusichern.

Private Krankenversicherung für Beamte im Finanztest

Auch Stiftung Warentest hat die besten privaten Krankenversicherungen für Beamte untersucht. Im Finanztest 4/2014 analysierten die Experten das Preis-Leistungs-Verhältnis für einen 35-jährigen Musterkunden. Beamte haben die Auswahl zwischen 24 Tarifen, wobei sich ein Angebot klar an die Spitze setzen konnte. Die Concordia hängt die Konkurrenz mit einer traumhaften Note (0,5) deutlich ab und ist zudem mit 196 Euro günstigster Anbieter. Darüber hinaus fallen auch die Huk-Coburg (Note sehr gut) und Debeka (gut) erneut positiv. Mit etwas Abstand folgen außerdem die Pax-Familienfürsorge sowie Alte Oldenburger.

Stiftung Warentest: Beste private Krankenversicherung für Beamte

Platz Unternehmen Tarife

1.

Concordia

BV20, BV30

2.

Huk-Coburg

B5013

3.

Debeka

B 20K, B30, WL 20K, WL 30

Map-Report prüft private Krankenversicherung für Beamte

Wichtig für die Auswahl des privaten Krankenversicherers ist außerdem die langfristige Entwicklung der Beiträge. Da sich der Beamte oftmals ein Leben lang an einen Anbieter bindet, sollte er ein gut wirtschaftendes Unternehmen bevorzugen. Einen langfristigen Vergleich stellt der jährlich erneuerte Map-Report dar, der neben der Bilanzen auch die Beiträge und den Service der privaten Krankenversicherer untersucht. Im Map-Report 872 „Rating Private Krankenversicherung“ ging die Analyse bis zum Millennium zurück, so dass sich ein sehr differenziertes Bild über die Entwicklung der Versicherer ergibt. Dabei prüft der Branchendienst Map neben den Tarifen für Beamte auch Angebote für Angestellte.

Im Jahr 2015 wiederholte der Marktführer Debeka seinen Erfolg aus den Vorjahren. Der Abstand zu den Mitbewerbern ist relativ groß – ab Platz zwei liegen die Verfolger aber dicht zusammen. Die Top5-Versicherer erhielten allesamt das beste Rating „mmm“.

Map-Report: Beste private Krankenversicherung für Beamte

Platz Unternehmen Punkte (von 100)

1.

Debeka

85,05

2.

Signal

78,55

3.

Deutscher Ring

78,05

4.

Provinzial

78,05

5.

Barmenia

76,00

Neben den PKV Tests können auch individuelle Vergleichsrechner die Entscheidung für eine private Krankenversicherung erleichtern. Auf diese Art und Weise erhalten Beamte einen schnellen Überblick über die für sie optimal passenden Angebote.