Dienstunfähigkeitsversicherung

Dienstunfähigkeitsversicherung: BU für Beamte

Die Dienstunfähigkeitsversicherung ist eine Sonderform der Berufsunfähigkeitsversicherung für Beamte. Aber ist eine solche Absicherung für Staatsdiener überhaupt sinnvoll? Sind sie nicht bereits über den Dienstherren ausreichend geschützt? Tatsächlich genießen Beamte gegenüber Angestellten bekanntermaßen Privilegien. Rundum abgesichert sind aber auch Lehrer, Polizisten oder Staatsanwälte trotz ihres sicheren Jobs nicht. Anders als Angestellte erhalten sie keine staatliche Erwerbsunfähigkeitsrente, sondern ein Ruhegehalt vom Dienstherren. Wird der Beamte in den ersten fünf Jahren dienstunfähig, besteht allerdings kein Anspruch. Eine Dienstunfähigkeitsversicherung kann sich aber nicht nur in diesem Fall bezahlt machen. Bei einer frühzeitigen Pensionierung erhalten selbst langjährige Beamte nie mehr als knapp 70 Prozent ihres bisherigen Gehalts.

Was eine Dienstunfähigkeitsversicherung von einer normalen Berufsunfähigkeitsversicherung unterscheidet und auf welches Detail Beamte besonders achten müssen, erklärt die Redaktion von beamte.org. Außerdem stellen wir in diesem Beitrag die aktuellen Testsieger zur Dienstunfähigkeitsversicherung vor.

Ist eine Dienstunfähigkeitsversicherung sinnvoll?

Das Wirtschaftsmagazin Focus-Money 44/2015 rät auch Staatsdienern dazu, sich privat vor einer Dienstunfähigkeit abzusichern. Der Hauptgrund für diese Einschätzung liegt in dem Ruhegehalt, welches die aktuellen Verdienste nicht vollständig ersetzen kann. Wie hoch der Anspruch als Pensionar ausfällt, richtet sich nach dem Nettogehalt und der Anzahl der Berufsjahre. Wer seinen Dienst schon in den ersten 60 Monaten nach der Berufung quittieren muss, ist komplett auf sich allein gestellt – in diesem Fall ist eine Dienstunfähigkeitsversicherung existenziell. Der Staat zahlt außerdem auch nur, wenn die Dienstunfähigkeit dauerhaft und nicht eigenverschuldet ist.

Die Pension berechnet sich nach dem Faktor 1,79375, multipliziert mit der Anzahl der Berufsjahre. Mindestens erhalten Vorruheständler 35 Prozent ihres aktuellen Gehalts. Erst nach einer langen Beamtenlaufbahn reicht das Geld aber einigermaßen aus, um den Lebensstandard zu wahren. Maximal können Beamte im Vorruhestand bis zu 71,75 Prozent ihres aktuellen Gehalts kassieren.

Anzahl Dienstjahre Höhe des Ruhegehalts

Anzahl Dienstjahre % Anteil des Ruhegehalts
0 – 5 0%
6 – 19 bis zu 35%
20 ab 35,88%
30 ab 53,81%
40 ab 71,75%

Unterschied Dienstunfähigkeitsversicherung und Berufsunfähigkeitsversicherung

Damit es nicht zu einer Versorgungslücke kommt, empfiehlt sich eine Dienstunfähigkeitsversicherung. Diese Sonderform für Beamte unterscheidet sich von einer regulären Berufsunfähigkeitsversicherung, da die Voraussetzungen für Leistungen scheinbar nur minimal, aber entscheidend auseinandergehen.

Üblicherweise zahlt eine Berufsunfähigkeitsversicherung bei einer Krankheit, Unfall oder Invalidität eine monatliche Rente. Damit es zu einer Auszahlung kommt, muss in der Regel eine 50-prozentige Beeinträchtigung vorliegen, die voraussichtlich mindestens sechs Monate andauert. Eine Dienstunfähigkeit kann ebenfalls durch Krankheiten, Unfälle oder körperliche Gebrechen entstehen. Stellt ein Arzt eine Bescheinigung über eine dauerhafte Dienstunfähigkeit aus, wird der Staatsdiener in den vorzeitigen Ruhestand entlassen. Wichtig: Die Entlassung in den Ruhestand sollte auch die einzige Voraussetzung dafür sein, dass die monatliche Rente ausgezahlt wird. Ob die Beeinträchtigung bei mindestens 50 Prozent oder niedriger liegt, sollte für Beamte bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung keine Rolle spielen.

Echte und unechte Dienstunfähigkeitsklausel

Damit die Besonderheit berücksichtigt wird, muss eine Berufsunfähigkeitsversicherung für Beamte zwingend eine Dienstunfähigkeitsklausel enthalten. Diese ist auch als Beamtenklausel bekannt und wird in eine „echte“ und „unechte“ Dienstunfähigkeitsklausel unterteilt. Im Ernstfall kann diese vermeintliche Kleinigkeit einen großen Unterschied ausmachen, wenn die Versicherung plötzlich die Zahlung verweigert.

Eine unechte Dienstunfähigkeitsklausel stellt Beamten mit anderen Berufsgruppen gleich. Hier genügt die Dienstunfähigkeit nicht aus – dem Kunden muss zusätzlich eine 50-prozentige Arbeitsunfähigkeit diagnostiziert werden. Berufsunfähigkeit und Dienstunfähigkeit werden zum Beispiel mit der Formulierung gleichgestellt, dass die Beurteilung auch bei vorzeitiger Entlassung in den Ruhestand wegen allgemeiner Dienstunfähigkeit „nach Anwendung der allgemeinen Absätze“ erfolgt.

Bei der echten Dienstunfähigkeitsklausel genügt hingegen ein dauerhafter Ruhestand, damit der Versicherer die monatliche Rente auszahlt. Der Dienstherr verzichtet in diesem Fall auf eine gesonderte Prüfung. Für Beamte auf Zeit ist es besonders wichtig, dass nicht nur eine Versetzung in die Pension, sondern auch eine Entlassung in der Definition erwähnt wird. Beamte auf Probe hätten ansonsten keine Ansprüche auf Zahlungen. Von Vorteil ist etwa die Formulierung, dass „die Versetzung in den Ruhestand wegen allgemeiner Dienstunfähigkeit oder die Entlassung wegen allgemeiner Dienstunfähigkeit als Berufsunfähigkeit gelten“.

Selbstverständlich ist die Dienstunfähigkeitsversicherung nicht das einzige Kriterium für eine gute Absicherung. Der Bund der Versicherten empfiehlt zum Beispiel zusätzlich eine Nachversicherungsgarantie für eine hohe Flexibilität oder eine Dynamik von Prämien und Leistungen zum Ausgleich der Inflation.

Dienstunfähigkeitsversicherung im Test

Sowohl die Verbraucherschützer der Stiftung Warentest als auch die Experten des Wirtschaftsmagazins Focus-Money haben die besten Dienstunfähigkeitsversicherungen getestet. Focus-Money hat die Ergebnisse in seiner Ausgabe 38/2015 im Rahmen eines großen Berufsunfähigkeitsversicherungs Tests veröffentlicht. Die Analyse wurde durch das Deutsche Finanz-Service Institut (DFSI) für zahlreiche Berufsgruppen durchgeführt. Auch die besten Tarife für Beamte wurden an den folgenden Kritierien gemessen:

    • Note für die Prämie (45 Prozent)
    • allgemeine Versicherungsbedingungen (30 Prozent)
    • Finanzstärke des Unternehmens (25 Prozent)

Die besten Dienstunfähigkeitsversicherungen unterteilte Focus-Money nach 22 Serviceversicherern mit Filialberatung und 4 Direktversicherern, die über das Internet tätig sind. Dabei setzt sich das Ergebnis aus zwei Musterkunden zusammen: Einem 32-jährigen Gymnasiallehrer sowie einem 28-jährigen Finanzbeamten. Beide Beamten möchten sich bis zum 55. Lebensjahr vor einer Dienstunfähigkeit versichern. Die Europa ist bei den Direktversicherern in beiden Fällen erste Wahl. Wer einen größen Wert auf Service legt, ist als Finanzbeamter am besten bei der Continentale und als Gymnasiallehrer am besten bei der R + V aufgehoben.

Insgesamt ist die Auswahl an sehr guten Serviceversicherern sehr groß. Gleich sechs Unternehmen schneiden besser als 1,5 ab. Außerdem erhalten zwei von vier Direktversicherern die Bestnote.

Besten Dienstunfähigkeitsversicherung im Focus-Money Test

Serviceversicherer

Versicherer Note
Continentale sehr gut
R+V sehr gut
WWK sehr gut
Volkswohl Bund sehr gut

Direktversicherer

Versicherer Note
Europa sehr gut
Huk24 sehr gut
WGV gut
Hannoversche gut

Besten Berufsunfähigkeitsversicherungen mit DU-Klausel bei Stiftung Warentest

Der letzte relevante Vergleich der Stiftung Warentest liegt länger zurück. Das Institut hat zwar im Jahr 2015 einen Berufsunfähigkeitsversicherung Test vorgelegt – dieser geht aber nicht speziell auf Beamte ein. Die besten Dienstunfähigkeitsversicherungen standen letztmals in der Finanztest 7/2011 im Mittelpunkt.

Dabei setzt sich das Qualitätsurteil der Stiftung Warentest aus den folgenden drei Kriterien zusammen:

    • Versicherungsbedingungen (70 Prozent)
    • Anträge (20 Prozent)
    • Versicherbare Berufe sowie Endalter (10 Prozent)

Bei der Auswahl des Anbieters empfiehlt die Finanztest, sich zunächst nach einem Berufsunfähigkeitsversicher mit Dienstunfähigkeits-Klausel umzusehen. Weitere Aspekte wie das Preis-Leistungs-Verhältnis stehen für Stiftung Warentest erst an zweiter Stelle. Von den 52 untersuchten Anbietern gewährten nur 11 Versicherer Sonderkonditionen für Beamte oder eine Dienstunfähigkeitsklausel. Am stärksten profiliert sich die Provinzial Rheinland, die ihre besonderen Bedingungen allerdings nur verbeamteten Ärzten zugänglich macht.

Versicherung Note
Provinzial Rheinland sehr gut (0,9)
DBV sehr gut (1,3)
Universa sehr gut (1,4)
Condor sehr gut (1,5)
BBV gut (1,6)
Nürnberger Beamtenversicherung  gut (1,6)
Signal Iduna gut (1,6)
Württembergische gut (1,6)
WWK gut (1,6)

Ähnlich wie im Vergleich von Focus-Money sind die Unterschiede zwischen den Versicherern nur gering. Gleich fünf Unternehmen verpassen das Qualitätsurteil „sehr gut“ nur hauchdünn.

Dienstunfähigkeitsversicherung nicht für jeden gleich teuer

Ähnlich wie bei einer handelsüblichen Berufsunfähigkeitsversicherung ist das Risiko nicht für alle Kunden gleich hoch. Die Beiträge fallen je nach Beruf unterschiedlich hoch aus, außerdem werden die Leistungen und die Laufzeit der Versicherung in einigen Fällen begrenzt. Besonders beliebt als Versicherte einer Dienstunfähigkeitsversicherung sind vor allem:

    • Ärzte im Öffentlichen Dienst
    • Polizisten im Innendienst
    • Richter
    • Staatsanwälte
    • Verwaltungsfachangestellte

Mit Einschränkungen bei ihrer Dienstunfähigkeitsversicherung müssen die folgenden Beamten rechnen:

    • Beamte auf Probe/Widerruf: Referandare und Beamtenanwärter müssen darauf achten, dass die Leistungen auch bei einer Entlassung und nicht nur einer Verabschiedung in den Ruhestand gelten. Zudem sehen einige Versicherer nur eine äußerst kurze Auszahlung der Rente über zwei bis drei Jahre vor.
    • Feuerwehrleute und Soldaten: Durch das hohe Berufsrisiko werden oftmals Aufschläge fällig – zudem wird die Laufzeit der Police in vielen Fällen begrenzt.
    • Lehrer: Für Erzieher ist das Risiko einer Dienstunfähigkeit am höchsten. Deshalb sind nicht nur die Prämien besonders hoch – außerdem kann der Versicherungsschutz oftmals nur bis zum 50. oder 55. Lebensjahr vereinbart werden. Darüber hinaus wird die Dienstunfähigkeitsklausel nicht selten außer Kraft gesetzt.
    • Polizisten auf Streife: Streifenpolizisten werden bei vielen Versicherern nur mit Dienstunfähigkeitsversicherungen bis zum 55. Lebensjahr ausgestattet.
    • Vollzugsbeamte: Bei ihnen wird die Dienstunfähigkeitsklausel ähnlich wie bei Lehrern in einigen Fällen eingeschränkt.

Fazit zur Dienstunfähigkeitsabsicherung

Die Dienstunfähigkeitsversicherung kann eine gute Ergänzung zum Ruhegehalt des Dienstherren darstellen. Damit die Absicherung tatsächlich greift, sollte die Dienstunfähigkeitsklausel nicht im Kleingedruckten relativiert werden. Deshalb ist ein genauer Blick in den Vertrag notwendig und ein umfassender Vergleich der Anbieter zu empfehlen. Neben den Testergebnissen von Focus-Money und Finanztest kann auch eine individuelle Beratung die Entscheidung erleichtern und Hindernisse aus dem Weg räumen.