Beamte auf Widerruf

Beamtenanwärter / Beamter auf Widerruf: Der erste Schritt zum Staatsdiener

„Jeder fängt einmal klein an“ – diese alte Binsenweisheit trifft auch auf künftige Staatsdiener zu. Wer eine Laufbahn als Beamter auf Lebenszeit anpeilt, beginnt als ersten Schritt mit dem Status des Beamtenanwärters. Der Dienstherr beruft den Berufsanfänger in das Beamtenverhältnis auf Widerruf (§§ 6 Abs. 4 BBG, §4 Abs. 4 BeamtStG). Schlägt sich der Beamtenanwärter gut, kann er nach erfolgreicher Ausbildung in das nächste Level, als Beamter auf Probe, aufsteigen. Auch in dieser Phase sind die angehenden Beamten aber nicht vor einer Kündigung sicher. Erst nach erfolgreicher Probezeit ist das unbefristetete Beamtenverhältnis gesichert.

Um überhaupt als Beamtenanwärter starten zu können, müssen Bewerber und Bewerberinnen bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Für den Dienst in allen Behörden müssen sie sich zur Verfassung bekennen und keinen Zweifel an ihrer persönlichen Integreität und Neutralität lassen. Darüber hinaus müssen Beamte auf Widerruf selbstverständlich auch ihre fachliche Kompetenz beweisen können. Zu diesem Zweck müssen Beamtenanwärter folgende Nachweise erbringen:

  • im einfachen Dienst einen Hauptschulabschluss
  • im mittleren Dienst einen Realschulabschluss oder einen Hauptschulabschluss mit Berufsausbildung
  • im gehobenen Dienst die Fachhochschulreife, die durch ein Fachabitur oder Abitur erworben wurde
  • im höheren Dienst ist ein geeignetes abgeschlossenes Studium an einer Hochschule erforderlich

Sind alle Voraussetzungen erfüllt und überzeugt der Kandidat die Behörde im Auswahlverfahren, wird der Bewerber in einem förmlichen Akt zum Beamten auf Widerruf ernannt und mit einer Urkunde ausgezeichnet.

Beamtenanwärter: Ausbildung bis zu 3 Jahre

Wie lange der Vorbereitungsdienst für das Beamtenverhältnis dauert, ist stark von der jeweiligen Laufbahn abhängig. Außerdem gelten je nach Bundesland unterschiedliche Ausbildungs- und Prüfungsverordnungen. Üblich sind als Beamtenanwärter die folgenden Ausbildungszeiten:

  • sechs Monate im einfachen Dienst
  • 2 bis 2,5 Jahre im mittleren Dienst
  • 3 Jahre im gehobenen Dienst
  • 2 bis 2,5 Jahre im höheren Dienst (Referendariat)

Beamte auf Widerruf müssen im einfachen und mittleren Dienst eine Ausbildung absolvieren und neben der theoretischen Ausbildung auch praktische Kenntnisse erlernen. Auch im gehobenen Dienst sind beide Erfahrungen wichtig – hier nehmen Beamtenanwärter an einem dualen Studium teil. Sie besuchen also eine Fachhochschule und arbeiten gleichzeitig für eine Behörde. Im höheren Dienst spricht man üblicherweise nicht mehr von Beamtenanwärtern, sondern von Referendaren. Im mittleren, gehobenen und höheren Dienst muss zum Abschluss eine Prüfung abgelegt werden – nur im einfachen Dienst ist dies nicht notwendig.

Typische Berufsbezeichnungen in der Testphase als Beamter auf Widerruf sind unter anderem:

  • Brandmeisteranwärter
  • Diplom-Finanzwirt
  • Diplom-Verwaltungswirt
  • Finanzanwärter
  • Kriminalratsanwärter
  • Lehramtsreferendar
  • Polizeiratsanwärter
  • Rechtsreferendar
  • Steuersekretär-Anwärter
  • Zollsekretäranwärter

Besoldung der Beamten auf Widerruf

Beamte auf Widerruf haben viel mit Beamten auf Lebenszeit gemeinsam. Ähnlich wie unbefristete Staatsdiener sieht das Beamtenrecht auch für Anwärter eine spezielle Fürsorge des Dienstherren vor. Diese beinhaltet unter anderem einen Anspruch auf Besoldung und Beihilfe bei der sozialen Absicherung. Als Gegenleistung muss der Beamtenanwärter seine Treuepflicht einhalten, sein hoheitliches Amt neutral ausführen und auf Streiks verzichten. Darüber hinaus kann der Beamte auf Widerruf ähnlich wie Beamte auf Probe gekündigt werden.

Die Besoldung von Beamtenanwärtern ist durch das Bundesbesoldungsgesetz geregelt. Für das Jahr 2015 ist je nach Stufe zwischen 980 und 1370 Euro als Brutto-Lohn vorgesehen:

Besoldungsgruppe

Gehalt als Beamter auf Widerruf

A 2 bis A 4 980,56 €
A 5 bis A 8 1.103,99 €
A 9 bis A 11 1.158,38 €
A 12 1.301,69 €
A 13 oder R 1 1.369,68 €

Quelle: Deutscher Beamten-Bund (DBB)

Fällt der Beamtenanwärter durch die Prüfung bzw. erreicht nicht das Ziel der Ausbildung, kann der Lohn bis zur erneuten Prüfung nach § 66 BbesG gekürzt werden. Auf der anderen Seite können Mütter und Väter mehr Geld von ihrem Dienstherren erhalten. Pro Kind gibt es einen Familienzuschlag, der sich bis zu drei Sprösslingen jeweils stückweit erhöht. Bei weiteren Söhnen oder Töchtern bleibt der Lohn gleich. Ein Familienzuschlag wird auch für verheiratete Beamtenanwärter ohne Nachwuchs ausgezahlt.

Als Beamtenanwärter privat oder gesetzlich versichern?

Beamte auf Widerruf haben die Wahl, ob sie sich privat oder gesetzlich krankenversichern möchten. Sie haben einen Anspruch auf Beihilfe durch den Dienstherren, der mindestens die Hälfte der medizinischen Versorgung abdeckt. Diese Beihilfe kommt in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) aber kaum zum Tragen, da es sich um eine für alle Personen einheitliche Vollversicherung handelt. Im Endeffekt verschenken Beamte auf Widerruf also einen Großteil der möglichen Beihilfe.

Anders verhält es sich bei der privaten Krankenversicherung (PKV): Hier müssen Beamtenanwärter nur höchstens 50 Prozent ihres Krankheitsrisikos abdecken. Die restliche Absicherung stellt der Dienstherr sicher. Da die Prämien für junge Leute ohnehin niedrig ausfallen, ist die PKV für Beamtenanwärter eine echte Alternative. Beamte auf Widerruf profitieren oftmals von besseren Leistungen zu geringeren Konditionen – zudem sind die vertraglich fixierten Inhalte für ein Leben lang gültig. Auf der anderen Seite dürfen aber auch die teuren Prämien im Alter nicht außer Acht gelassen werden. Stiftung Warentest hält die Auswahl zwischen PKV und GKV für eine „Entscheidung fürs Leben“. Beamte auf Widerruf sind in ihrem Status nicht unangetastet, so dass ein gewisses Risiko bleibt. Bei einer Kündigung müssen sie beispielsweise einen Job als Arbeitnehmer aufnehmen, um zurück in die gesetzliche Krankenversicherung wechseln zu können. Wer großen Wert auf Sicherheit legt, kann über einen Wechsel in die private Krankenversicherung nach der Verbeamtung nachdenken.

Beste private Krankenversicherung für Beamtenanwärter

Das Wirtschaftsmagazin Focus-Money hat in seiner Ausgabe 41/2015 die besten PKV-Tarife für Beamtenanwärter vorgestellt. Auf dem ersten Platz landet die Huk-Coburg, die durch ein besonders starkes Preis-Leistungs-Verhältnis auffiel. Die 25-jährigen Musterkunden oder Kundinnen zahlen pro Monat weniger als 44 Euro. Auf dem zweiten Platz empfiehlt sich die Pax. Den dritten Rang teilen sich die Allianz und die Debeka.

Beste private Krankenversicherungen für Beamtenanwärter
1.

Huk-Coburg

BAR50, BE2A

2.

Pax

BAR50, BEZE

3.

Allianz BHRA50, BHRK50, BHRZ50
3.

Debeka

B30A, B20A, WL30A, WL20A, BCA

Quelle: Focus-Money 41/2015

Beamte auf Widerruf: Wann droht die Kündigung?

Die größte Sorge von Beamtenanwärtern ist es, vorzeitig aus dem Dienstverhältnis entlassen zu werden. Grundsätzlich hat der Dienstherr nach dem Bundesbeamtengesetz (§ 37 Abs. 1 S. 1 BBG) tatsächlich das Recht, den Beamten auf Widerruf entlassen zu können. Doch Beamtenanwärter sollten sich nicht zu große Sorgen machen: Willkürliche Kündigungen sind verboten. Wer sich nichts zu Schulden kommen lässt, muss auch nicht mit einer Entlassung rechnen.

Vielmehr sind Kündigungen nur bei schweren Verfehlungen möglich. Das können sowohl Dienstvergehen als auch persönliche Eskapaden wie Straftaten sein. In diesem Fall kann der Dienstherr nicht mehr davon ausgehen, dass der Anwärter sich durch seine Persönlichkeit als Beamter eignet. Ein entsprechender Fehltritt muss jedoch sehr gravierend sein und hat auch bei einem Beamten auf Lebenszeit schwere disziplinarische Maßnahmen zur Folge.

Auch wenn sich die körperlichen Voraussetzungen ändern, ist eine Kündigung möglich. Nach mehreren Fehltagen ist nicht von einer Entlassung auszugehen. Wenn sich die krankheitsbedingen Fehlzeiten aber häufen, kann der Dienstherr sehr wohl zu der Erkenntnis gelangen, dass eine ausreichende körperliche Eignung nicht mehr gegeben ist. In einem konkreten Fall war die Entlassung einer Person rechtens, die ihrer Ausbildungsbehörde 300 Tage ferngeblieben war. In diesem Beispiel war auch in Zukunft nicht damit zu rechnen, dass sich der Gesundheitszustand wieder normalisiert.

Nächste Stufe: Beamter auf Probe

Im Regefall werden Beamte auf Widerruf aber von ihrem Dienstherren übernommen. Wenn der Vorbereitungsdienst mit einer erfolgreichen Prüfung endet, schließt sich als nächstes das Beamtenverhältnis auf Probe an. Anders gesagt: Wer Beamter auf Probe werden muss, muss zunächst die Laufbahn als Beamtenanwärter abgeschlossen haben. Der Status als Beamter auf Widerruf erlischt dann kraft des Gesetzes. Auch wenn die Prüfung endgültig nicht bestanden wurde, kann das Beamtenverhältnis auf Widerruf enden.